Manuel Siegrist ist ein Zürcher DJ und Nachwuchskünstler. In der Corona-Pandemie erlebte er die Schattenseiten der Musikszene und musste sich neu ausrichten. Er erzählt, wie Corona die Kulturszene veränderte und mit welchen Problemen die Kulturschaffenden kämpfen.

 

 

 

 

von Max Simon (Basisjahr, Juli 2021)

Manuel Siegrist bei einer Llive-Performance, um Spendeneinnahme zu generieren. Damit wurden soziale Projekte unterstützt im Inland und Ausland, um internationale Solidarität zu zeigen. (Bild: zVg)

 

«Nach den ersten Restriktionen im März 2020 wusste ich nicht, was auf uns zukommen würde. Es war schwierig für mich und mein Label Distressed Public abzuschätzen, wie sich die Musik- und Kunstszene weiterentwickeln würde», erzählt der Zürcher Musiker Manuel Siegrist bei einem Spaziergang an der Seepromenade. «Für einen kurzen Moment dachte ich, dass alles bald wieder vorbei sei. Irgendwann merkte ich: Wir stehen erst am Beginn der Pandemie.»

Der 21-Jährige zündet sich eine Zigarette an. Vor drei Jahren begann er Techno-Musik zu machen, als kreativer Alltagsausgleich. Mit der Zeit wurde die Musik zu seiner Passion, und aus dem Hobby wurde ein Beruf. Doch mit Corona veränderte sich alles. «Meine Freunde und ich konnten plötzlich nicht mehr in Nachtklubs auftreten und so verschwand unsere Haupteinnahmequelle», sagt er mit bedrückter Stimme. Siegrist wirkt mitgenommen. Immer wieder schaut er während des Gesprächs nachdenklich über den Zürichsee.

Das junge Kollektiv Distressed Public mischt die Zürcher Musikszene auf und musste sich wegen der Corona-Pandemie neu orientieren. (Manuel Siegrist: hinten 2. V.r.). (Bild: zVg)

 

Modische Masken für Mietkosten

Irgendwann kam die Idee auf, das bescheidene Kleidersortiment von Distressed Public auszuweiten. «Wir entschieden uns, Gesichtsmasken mit unserem Logo in unser Sortiment aufzunehmen. Das war zu Beginn der Pandemie noch eine Marktlücke.» Manuel Siegrist ist modeaffin und legt Wert auf Nachhaltigkeit. Deshalb möchte er mit dem Label faire und zeitgemässe Mode verkaufen.

Die Kollektion steht erst am Anfang und bringt noch keine grossen Einnahmen. «Es reicht gerade aus, um die Mietkosten unseres Ateliers bild8005 zu decken», verrät Siegrist. «Uns geht es mit dem Label aber nicht primär darum, Geld zu machen, sondern wir möchten junge Musiker und Künstler mit einer Plattform unterstützen.» Deswegen sucht das Kollektiv nun vermehrt den öffentlichen Raum, um junge Kulturschaffende in der Umgebung Zürichs besser miteinander zu vernetzten und in ihrer Tätigkeit zu bestärken. «Wir haben einzelne Musikerinnen und Musiker unterstützt, indem wir zusammen mit anderen DJs virale Auftritte organisiert haben, um Spenden für sie zu sammeln.»

Der Wert der Kunst

Siegrist beginnt mit den Fingern einen Rhythmus zu klatschen. «Es hätte uns als Künstlerkollektiv schlimmer treffen können. Ich habe Freunde, die selbständig als Musiker tätig sind und» Er hört abrupt mit dem Rhythmus auf.

Es mache ihn traurig, dass während der Pandemie alle möglichen Arbeitnehmenden finanziell unterstützt wurden ausser Musiker/innen und Künstler/innen, fährt er mit bestimmter Stimme fort. «Seither frage ich mich oft, was für einen Wert Kunst und Kultur in unserer Gesellschaft haben. Das wahre Gesicht einer Gesellschaft zeigt sich doch in einer Krisensituation».

Die Solidarität sollte aber nicht nur die Musikszene umfassen, sinniert der Nachwuchskünstler. Deshalb hätten sie Spenden für humanitäre Hilfe wie das Flüchtlingscamp Moria generiert, um auch die Ärmsten in Europa während Corona zu unterstützen «So lernte ich im vergangenen Jahr neben dem Geschäftlichen auch viel über unsere Sozialstrukturen und unser Wertesystem.»