Design verändert die Welt, in der wir leben. Doch kann Design auch die Gesellschaft verändern? Eine Ausstellung im Museum für Gestaltung wirft einen Blick auf die Wechselwirkung zwischen Menschen und Umwelt.

von Arthur Schlegel

Kann Design die Gesellschaft verändern? – Mit dieser Frage befasst sich die unkonventionelle Ausstellung «Social Design» im Museum für Gestaltung. Designstücke sind keine anzutreffen. Stattdessen erwarten die Besucherinnen und Besucher Projekte, die sich mit der Entwicklung und Nachhaltigkeit auf lokaler sowie internationaler Ebene auseinandersetzen und ungeahnte Fragen aufwerfen: Welchen Effekt erzielen Solarkiosks in elektrizitätsarmen Gebieten Afrikas? Inwiefern wirkt sich eine neu erbaute Gemeinschaftsbibliothek auf die bestehenden gesellschaftlichen Strukturen aus? Der Fokus auf die Schnittstelle zwischen gestalterischer Innovation und Entwicklungszusammenarbeit regt zum Nachdenken darüber an, wie bereits mit kleinen Eingriffen Neues entstehen oder Altes weiterentwickelt werden kann – das ist es, was die Ausstellung sehenswert macht.

Bibliothek und «Urban Think»
Neben gesellschaftsorganisatorischen Projekten werden zudem die Aspekte Wohnen, Bildung, Arbeit, Netzwerke, Produktion, urbaner Raum und Landschaft thematisiert und in klare Bereiche gegliedert. Dabei richten die Ausstellungsmacher den Blick auch auf aktuelle Konflikte und zeigen beispielsweise, wie sich die Entmilitarisierung in Sri Lanka durch den Bau einer Gemeinschaftsbibliothek fördern lässt, wobei umweltgerechte Aspekte stets mitberücksichtigt werden. «Urban-Think», ein interessantes Projekt der ETH, gibt Einblick in Ansätze zur Lösung der sozialen Probleme in Kapstadt. So stecken in jeder Kategorie neben der Gesellschaftsorganisation auch Aspekte der Bedürfnisbefindlichkeit und Transparenz. Wobei sich die Bedürfnisbefindlichkeit auf die Infrastruktur bezieht; es wird der Frage nachgegangen, wie diese in naher Zukunft aussehen und wie die Interaktion der Gesellschaft innerhalb eines Komplexes oder eines offenen Raums stattfinden könnte. Die Transparenz wirkt als eine Art Gegenspieler zur Privatisierung, die neue Räume für zwischenmenschliche Interaktionen bildet.

 

Slow Food und Soziale Hotspots
Die Informationstafeln sind eher allgemein gehalten, um ein breites Publikum anzusprechen. Kurzfilme, in denen betroffene Menschen und Projektverantwortliche zu Wort kommen, dienen der Vertiefung und zeigen, wie es zur Realisierung kam. Deshalb sollte bei einer selbständigen Besichtigung etwas Zeit mitgebracht werden. Jeden Sonntag werden im Eintrittspreis inbegriffene Führungen angeboten, bei denen man einen angeleiteten Einstieg in die Projekte erhält.

Social Design ist für all jene empfehlenswert, die sich vertieft mit dem Thema Nachhaltigkeit und der Wechselwirkung zwischen Menschen und Umwelt auseinandersetzen wollen und erfahren möchten, wie etwa durch Slow Food biologische Vielfalt geschaffen oder neue soziale Hot Spots in Entwicklungsländern kreiert werden.