Einblicke: Romy Schiess, V4g, Voltigieren
Romy Schiess gewinnt zusammen mit Céline Wilde und persönlicher Bestleistung den begehrten Weltcupfinal in der Voltige im belgischen Opglabbeek.
Seit ich sechs Jahre alt bin, begleitet mich das Voltigieren. Was damals als Hobby begann, entwickelte sich mit den Jahren zu meiner grossen Leidenschaft und schliesslich zum Leistungssport. Voltigieren verbindet Turnen, Akrobatik und die Zusammenarbeit mit dem Pferd. Neben Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer sind Vertrauen, Teamgeist und die Beziehung zum Pferd entscheidend. Für mich ist das Besondere am Voltigieren, dass Mensch und Pferd als Einheit funktionieren müssen, um Höchstleistungen zu erreichen.
In den vergangenen Jahren durfte ich bereits viele Erfolge feiern. Zu den bisherigen Höhepunkten zählen eine Bronzemedaille an den Europameisterschaften im Team, die Qualifikation für Weltmeisterschaften sowie zahlreiche Podestplätze an Schweizer Meisterschaften.

Aktuell trainiere ich beim Voltigeverein Harlekin aber mit meinem eigenen Pferd in Uster. Dass ich ein eigenes Pferd für den Spitzensport einsetzen kann, ist ein grosses Privileg und nicht selbstverständlich. Während ich früher sowohl im Team als auch im Einzel startete, konzentriere ich mich heute vollständig auf die Disziplin Pas de Deux, das Doppelvoltigieren. Der Sport nimmt einen grossen Teil meines Alltags ein. Fünfmal pro Woche trainiere ich gezielt für den Leistungssport. Zweimal pro Woche steht das Training auf dem Racewood-Simulator auf dem Programm. Dabei werden Technik, Kraft, Ausdauer, Akrobatik und Beweglichkeit trainiert. Hinzu kommen zwei Pferdetrainings pro Woche sowie eine weitere Einheit unter dem Sattel, um mein Pferd optimal auf die Anforderungen des Spitzensports vorzubereiten.

Sportlich erleben wir derzeit eine besonders spannende Saison. In diesem Jahr wurden wir erstmals ins Elitekader aufgenommen und dürfen an drei Qualifikationswettkämpfen teilnehmen. Unser grosses Ziel ist die Qualifikation für die Weltmeisterschaften im August in Aachen. Der Saisonstart verlief besser, als wir es uns hätten vorstellen können. Vor vier Wochen gewannen wir beim internationalen Turnier in Lier (Belgien) die Goldmedaille und erreichten dabei eine neue persönliche Bestleistung. Damit gelang uns ein perfektes Debüt in die WM-Qualifikation. Nur wenige Wochen später folgte bereits das nächste Highlight: die Teilnahme am World-Cup-Finale in Opglabbeek (Belgien). Schon die Qualifikation für diesen Wettkampf kam für uns überraschend. Wir konnten als einziges Paar zwei fehlerfreie und überzeugende Durchgänge zeigen. Am Ende wurden wir World-Cup-Siegerinnen 2026. Damit schrieben wir ein kleines Stück Schweizer Voltigiergeschichte: Wir sind das erste Schweizer Pas-de-Deux überhaupt, das einen Weltcup gewinnen konnte. Gleichzeitig war es seit elf Jahren das erste reine Frauenpaar, das den Weltcup für sich entschied. Erneut gelang uns dabei eine persönliche Bestleistung und ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Weltmeisterschaft.

In zwei Wochen steht in Egnach die letzte Qualifikationsstation an. Anschliessend entscheidet das Selektionskomitee, welche Athletinnen und Athleten die Schweiz an den Weltmeisterschaften vertreten dürfen. Besonders speziell ist die diesjährige Weltmeisterschaft, da sie im Rahmen der World Equestrian Games (WEG) stattfindet. Dieses Grossereignis wird nur alle vier Jahre ausgetragen und vereint sämtliche Pferdesportdisziplinen an einem Ort. Entsprechend gross wäre es für mich, dort die Schweiz vertreten zu dürfen.
Text und Bild: Romy Schiess
